Nicotera

Nicotera hatte ich bei meiner Rundreise durch Kalabrien eigentlich gar nicht fest eingeplant. Allerdings machte mich auf dem Weg von Scilla nach Tropea zunächst die Neugier auf den kleinen Ort aufmerksam und mein Hunger tat sein Übriges.

Nicotera auf einem Hügel umgeben von Bäumen

Nicotera: meine Tipps für das authentische Bergdorf

Also parkte ich meinen Mietwagen und machte einen spontanen Zwischenstopp. Was ich in den folgenden zwei Stunden entdeckte, hat mir ausgesprochen gut gefallen: eine verwinkelte, mittelalterlich geprägte Altstadt, ruhige Gassen, freundliche Menschen und vor allem eine fantastische Aussicht über Nicotera Marina und das Tyrrhenische Meer bis zu den Liparischen Inseln mit Stromboli.

Nicotera ist für mich kein Ort, den man wegen einer langen Liste spektakulärer Sehenswürdigkeiten besucht. Vielmehr ist es die Kombination aus authentischer Atmosphäre, historischem Ortskern und außergewöhnlicher Panoramalage, die den Ort interessant macht.

Das Dorf liegt auf rund 212 Metern Höhe an den Hängen des Monte Poro und gehört zum südlichen Bereich der Costa degli Dei. Schon allein die Lage erklärt, warum der Ort eine so schöne Aussicht bietet. Von der historischen Oberstadt fällt der Blick weit über das Meer und die darunterliegende Marina.

Mein erster Eindruck galt allerdings weniger der Aussicht als vielmehr dem Dorf selbst. Nicotera wirkte auf mich verwinkelt, ruhig und erstaunlich authentisch. Die Altstadt ist mittelalterlich geprägt, an vielen Stellen gut gepflegt und wird immer wieder durch eine farbige Treppe, kleine Balkone oder begrünten Ecken aufgelockert.

Besonders schön fand ich, dass Nicotera bei meinem Spaziergang nicht wie ein ausschließlich auf Touristen ausgerichteter Ort wirkte. Ich wurde von Einheimischen freundlich gegrüßt und hatte eher das Gefühl, durch ein echtes kalabrisches Dorf als durch eine touristische Sehenswürdigkeit zu laufen.

Das lag sicher auch an der Jahreszeit. Anfang Februar waren viele Geschäfte und Restaurants noch geschlossen. Für einen längeren Aufenthalt wäre das außerhalb der Hauptsaison sicherlich ein Nachteil. Für meinen kurzen Spaziergang hatte die Ruhe allerdings durchaus ihren Reiz.

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Häuser in der Altstadt von Nicotera auf einem Hügel
Blick auf den historischen Ortskern

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Nicotera

Die beste Möglichkeit, Nicotera kennenzulernen, ist für mich ein Spaziergang durch die historische Oberstadt. Genau so habe ich es jedenfalls bei meinem spontanen Zwischenstopp gemacht.

Meine Route führte mich von der Via San Francesco über die Kirche San Francesco di Paola und die Kathedrale, durch das ehemalige jüdische Viertel bis zum Castello Ruffo und anschließend zum Aussichtspunkt an der Viale Luigi Razza.

Chiesa di San Francesco di Paola

Mein Spaziergang durch Nicotera begann an der Chiesa di San Francesco di Paola. Die Kirche liegt am Rand des historischen Ortskerns und war für mich ein schöner Ausgangspunkt, um anschließend zu Fuß durch die engen Gassen weiterzugehen.

Bei meinem Besuch konnte ich die Kirche allerdings nicht von innen besichtigen, da an diesem Tag eine Hochzeit dort stattfand. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht mehr versprechen, als ich selbst gesehen habe: Für mich war sie vor allem der Auftakt zu meinem Rundgang durch die Altstadt.

Cattedrale di Santa Maria Assunta

Die Cattedrale di Santa Maria Assunta, auch als Duomo di Nicotera bekannt, ist der wichtigste Sakralbau der historischen Altstadt. Die Ursprünge der Kathedrale reichen bis ins Mittelalter zurück; das heutige Gebäude wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach verändert und nach Erdbeben und Beschädigungen wieder aufgebaut.

Bei meinem Besuch war die Kathedrale leider geschlossen, sodass ich sie ebenfalls nur von außen sehen konnte. Trotzdem gehört sie für mich zu einem Rundgang durch Nicotera dazu. Ihre Lage im historischen Ortskern und die schlichte, von der Geschichte des Gebäudes geprägte Erscheinung passen gut zum Charakter der Altstadt.

Antico Quartiere Ebraico (Giudecca)

Von hier aus ging es weiter durch das Antico Quartiere Ebraico, also das historische jüdische Viertel, das auch als Giudecca bezeichnet wird.

Das Viertel geht auf die Zeit Friedrichs II. zurück. Im Mittelalter wurde hier eine jüdische Gemeinschaft angesiedelt, die unter anderem zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt beitragen sollte. Das Viertel gehört bis heute zu den charakteristischen Bereichen der Altstadt.

Für mich war allerdings weniger die Geschichte als das unmittelbare Erlebnis interessant: verwinkelte Gassen, Natursteinfassaden und eine angenehm ruhige Atmosphäre. Genau hier hatte ich am stärksten das Gefühl, Nicotera abseits der bekannten kalabrischen Touristenziele kennenzulernen.

Vico degli Ombrelli: ein Farbtupfer in der Altstadt

Eine kleine Überraschung auf meinem Rundgang war der Vico degli Ombrelli. Diese mit bunten Regenschirmen dekorierte Gasse wirkt in der historischen Altstadt wie ein überraschender kleiner Farbklecks. Gerade weil Nicotera ansonsten so stark von Naturstein und historischen Gebäuden geprägt ist, fällt der farbliche Kontrast sofort auf.

Für mich ist der Vico degli Ombrelli deshalb weniger eine große Sehenswürdigkeit als vielmehr ein schönes kleines Detail, das den Spaziergang durch die Altstadt abwechslungsreicher macht.

Rathaus und Museo Civico Archeologico

Anschließend kam ich am Rathaus vorbei, in dem sich damals auch das Museo Civico Archeologico befindet.

Bei meinem Besuch war das Museum allerdings geschlossen, sodass ich nur von außen einen Eindruck gewinnen konnte. Das ist bei einem Besuch in Nicotera außerhalb der Hauptsaison übrigens bdurchaus etwas, auf das du dich einstellen solltest.

Aktuelle Info: Die Situation hat sich inzwischen verändert und das Museum befindet sich mittlerweile in den oberen Sälen des Castello Ruffo. Bei einem erneuten Besuch würde ich auf jeden Fall suchen, das Museum mit einzuplanen.

Castello Ruffo: das markanteste Bauwerk der Altstadt

Von dort ging es weiter zum Castello Ruffo, dem wohl markantesten Bau im historischen Zentrum.

Die heutige Anlage entstand im 18. Jahrhundert auf dem Standort älterer Befestigungsanlagen und wurde ab 1763 von Ermenegildo Sintes für die Familie Ruffo errichtet.

Architektonisch hat mich das Castello Ruffo allerdings weniger beeindruckt als andere Burgen und Festungen, die ich während meiner Kalabrien-Reise gesehen habe. Seine eigentliche Stärke liegt für mich in der Lage.

Denn sobald du dich dem Castello näherst, öffnet sich der Blick über die Dächer von Nicotera und hinunter zur Küste. Genau hier beginnt Nicoteras für mich größte Sehenswürdigkeit: das Panorama.

Der schönste Aussichtspunkt in Nicotera

Für mich war die Aussicht von Nicotera das absolute Highlight des Besuchs. Vom Punto Panoramico in der Viale Luigi Razza beziehungsweise dem sogenannten Affacciu öffnet sich ein beeindruckendes Panorama über Nicotera Marina und das Tyrrhenische Meer. Bei guter Sicht kannst du von hier sogar die Äolischen Inseln mit Stromboli erkennen.

Und genau diesen Blick hatte ich an meinem Besuchstag. Es war Anfang Februar, die Sonne schien und die Temperaturen lagen bei etwa 13 bis 15 Grad, sodass ich an diesem kalabrischen Wintertag in der Sonne problemlos im T-Shirt durch Nicotera spazieren konnte.

Besonders schön fand ich den Kontrast: Hinter mir lag die ruhige, verwinkelte Altstadt, während sich vor mir das weite Meer erstreckte. Unten lag Nicotera Marina, dahinter das Tyrrhenische Meer und am Horizont die Liparischen Inseln.

Wenn du Nicotera besuchst, würde ich deshalb nicht einfach nur die Sehenswürdigkeiten „abhaken“. Nimm dir Zeit für den Blick über die Küste. Für mich gehört er eindeutig zu den Gründen, warum sich ein Abstecher lohnt.

Häuser, Strand und Meer an der Küste von Nicotera Marina
Blick auf Nicotera Marina

Nicotera Marina: Badeort unterhalb der Altstadt

Von oben konnte ich auch gut erkennen, wie stark sich die beiden Ortsteile Nicotera Alta und Nicotera Marina voneinander unterscheiden.

Während die historische Oberstadt hoch über dem Meer liegt und von engen Gassen und alten Gebäuden geprägt ist, erstreckt sich unten der modernere Küstenort mit seinem flach abfallenden Strand und seiner Promenade.

Ich selbst bin bei meinem Besuch allerdings nicht nach Nicotera Marina hinuntergefahren. Für mich hat der Blick von oben bereits ausgereicht, um den Charakter des Küstenbereichs zu verstehen.

Wenn du im Sommer nach Nicotera kommst und neben der Altstadt auch baden möchtest, lässt sich beides entsprechend gut miteinander verbinden.

Essen in Nicotera: freundliche Überraschung in der Bar One 15.9

Mein spontaner Abstecher nach Nicotera hatte ursprünglich auch einen ganz praktischen Grund: Ich hatte Hunger.

Das erwies sich Anfang Februar allerdings als kleine Herausforderung. Die Restaurants, an denen ich vorbeikam, waren geschlossen, was wahrscheinlich der Nebensaison geschuldet war.

Glücklicherweise hatte ich trotzdem noch einen schönen kulinarischen Moment.

In der Bar One 15.9 direkt am Aussichtspunkt erkannte ein Kellner meine Notsituation und servierte mir spontan ein paar kleine Häppchen. So konnte bei herrlicher Aussicht auf das Meer etwas essen, die Sonne genießen und gleichzeitig eine kleine Pause von meinem Rundgang einlegen.

Was mir dabei besonders gefallen hat, war die unkomplizierte Hilfsbereitschaft. Genau solche kleinen Begegnungen sind für mich ein Teil dessen, was das Reisen durch weniger bekannte Orte in Italien so schön macht.

Wenn du außerhalb der Hauptsaison nach Nicotera reist, würde ich mich deshalb nicht darauf verlassen, spontan ein geöffnetes Restaurant zu finden. Gerade wenn du – wie ich – zur Mittagszeit unterwegs bist, lohnt es sich, vorher die Öffnungszeiten zu prüfen und ggf. sogar dort anzurufen.

Wie viel Zeit sollte man für Nicotera einplanen?

Für meinen ersten Eindruck haben etwa zwei Stunden erstaunlich gut ausgereicht. In dieser Zeit konnte ich die wichtigsten Bereiche der historischen Oberstadt zu Fuß erkunden, das Castello Ruffo sehen und den Panoramablick genießen.

Wenn du Nicotera allerdings wirklich kennenlernen möchtest, würde ich mehr Zeit einplanen.

Für einen kurzen Zwischenstopp: etwa 2–3 Stunden
Für eine entspannte Besichtigung: etwa ein halber Tag
Für mein persönliches Ideal: eine Übernachtung

Gerade bei einer Übernachtung könntest du den Ort deutlich entspannter erleben, in Ruhe essen gehen, die Sehenswürdigkeiten auch von innen besichtigen und ggf. Zeit am Strand verbringen.

Das würde ich bei meinem nächsten Besuch wahrscheinlich genauso machen. Ich könnte mir Nicotera besonders gut im späten Frühling oder frühen Herbst vorstellen – mit angenehmen Temperaturen, geöffneten Restaurants und genügend Zeit, um den Ort nicht nur im Vorbeifahren kennenzulernen.

→ Hotels und Unterkünfte in Nicotera und an der Costa degli Dei

Mein Fazit: Lohnt sich Nicotera?

Ja, für mich lohnt sich Nicotera definitiv.

Der Ort hat mich vor allem deshalb positiv überrascht, weil er sich so angenehm authentisch angefühlt hat. Die verwinkelte Altstadt, die ruhigen Gassen, die freundlichen Menschen und die fantastische Aussicht auf das Meer und Stromboli ergeben zusammen ein sehr stimmiges Gesamtbild.

Ich würde Nicotera auch nicht mit den großen touristischen Highlights Kalabriens vergleichen. Wer spektakuläre Sehenswürdigkeiten, zahlreiche Restaurants und ein lebhaftes touristisches Angebot sucht, wird in Tropea oder Scilla wahrscheinlich mehr davon finden.

Nicotera hat andere Qualitäten. Für mich ist der Ort ein ruhiger Gegenpol zu den bekannteren Küstenorten. Gerade wenn du während einer Kalabrien-Rundreise nicht nur die klassischen Ziele sehen möchtest, sondern auch einmal durch ein weniger touristisches Dorf schlendern willst, würde ich Nicotera in die Route aufnehmen.

Mein spontaner zweistündiger Besuch hat jedenfalls gereicht, um mir zu denken: Hier würde ich gerne noch einmal mit mehr Zeit zurückkommen.

Wenn ich meinen Besuch heute bewerten müsste, würde Nicotera bei mir bei 7 bis 8 von 10 Punkten landen. Nicht, weil der Ort außergewöhnlich viele spektakuläre Sehenswürdigkeiten besitzt, sondern weil mir die Atmosphäre und die Aussicht so gut gefallen haben.

Weitere Orte an der kalabrischen Küste

Wenn du Nicotera mit dem Mietwagen erkundest, lässt sich der Ort hervorragend in eine Rundreise entlang der tyrrhenischen Küste Kalabriens einbauen. Weitere schöne Küstenorte sind:

Scilla: Mein persönliches Highlight in Kalabrien und für mich das schönste Gesamterlebnis der Reise. Besonders das romantische Fischerviertel Chianalea hat mich begeistert.

Capo Vaticano: Malerischer Küstenstreifen, der für seine herrlichen Aussichtspunkte sowie viele versteckte Buchten und Strände mit klarem Wasser bekannt ist.

Tropea: Die beste Kombination aus Altstadt, Sehenswürdigkeiten, Atmosphäre sowie Stränden und damit für mich das vielseitigste Reiseziel an der Costa degli Dei.

Pizzo: Ein weiterer schöner Ort an der Costa degli Dei, der mit Altstadt, herrlichem Küstenpanorama und dem berühmten Tartufo di Pizzo punktet.


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